CFP: Denkmalschutz im Baltikum (Leipzig, 10-11 November 2016)

Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO), Universität Leipzig, November 10 - 11, 2016
Deadline: March 31, 2016

Denkmalschutz im Baltikum – Probleme, Potentiale, politische Bedeutung

Tagung der Böckler-Mare-Balticum-Stiftung und des Geisteswissenschaftlichen Zentrums Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig (GWZO), 10.-11. November 2016 (= Homburger Gespräch 2016)

Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde im Baltikum eine immer intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema Denkmalschutz erkennbar. Bald nach 1900 folgten erste Fachkongresse mit dem Ziel einer baldigen Institutionalisierung, zu der es vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs jedoch nicht mehr kam. Offizielle Registrierungen von Baudenkmälern begannen so erst auf der Basis staatlicher Denkmalschutzgesetze der 1918 ausgerufenen unabhängigen Republiken und waren, als diese 1940 zu Teilen der Sowjetunion wurden, keineswegs in sämtlichen baltischen Regionen abgeschlossen. Unter den Bedingungen der Sowjetherrschaft gewann das Thema Denkmalschutz ab den 1950er Jahren neuerliche Relevanz, da es von der sowjetischen Administration aktiv aufgegriffen wurde und zugleich aus baltischer Sicht jenseits des rein praktischen Handlungsbedarfs eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten zu nationaler Selbstbehauptung in sich zu tragen schien. Besonderes Gewicht bekam die Sorge der baltischen Nationen um ihr bauliches Erbe schließlich im Kontext der Entwicklung der 1980er Jahre, die in den als „Singende Revolution“ geläufigen Ereignissen mündete. Interessant erscheint in diesem Zusammenhang die Frage nach möglichen graduellen Unterschieden, was den damaligen Stellenwert des Themas Denkmalschutz in den einzelnen Republiken anbelangt.

Nach der Wende von 1991 veränderte insbesondere der Privatisierungsprozess die Art der Probleme in der denkmalpflegerischen Arbeit: Diese gestaltete sich nun teilweise leichter, teilweise aber auch schwieriger, so dass der politische Wandel bei manchen Gebäuden zu einer deutlichen Verbesserung, bei anderen hingegen zu einer zuvor noch für vermeidbar gehaltenen weiteren Verschlechterung ihres Zustands beigetragen haben dürfte. Die Suche nach Beispielen, die diese Annahme bestätigen, führt weiter zu den ganz konkreten Entscheidungen, die in jüngerer und jüngster Vergangenheit bei der Rettung von Baudenkmälern getroffen wurden. Wie stark wurde hierbei zum Beispiel von der Möglichkeit der Rekonstruktion Gebrauch gemacht? Variiert die Popularität von Rekonstruktionen vielleicht sogar von Land zu Land? Rettungsmaßnahmen oder die Diskussionen darüber beziehen sich unterdessen immer öfter auch auf das Bau- und Denkmalerbe der Sowjetära. Ist dessen Wertschätzung in der Gesellschaft inzwischen spürbar gewachsen? Und wie weit reicht staatlicherseits die Bereitschaft, markante sowjetzeitliche Objekte nicht nur formell unter Schutz zu stellen, sondern auch unter Einsatz öffentlicher Finanzmittel zu restaurieren?

Interesse besteht an Fallstudien wie auch an breiter angelegten Betrachtungen zu den hier angesprochenen Aspekten. Neben abgeschlossenen Studien sind ebenso Forschungsvorhaben im Anfangsstadium ausdrücklich willkommen. Die Tagungssprache ist Deutsch im Wechsel mit Englisch je nach Sprache des referierten Beitrags. Die Tagung wird von der Böckler-Mare-Balticum-Stiftung und der Projektgruppe „Geschichte bauen. Architektonische Rekonstruktion und Nationsbildung (19.-21. Jahrhundert)“ am Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig (GWZO) veranstaltet. Sie findet zeitlich parallel zu der dreitägigen Fachmesse denkmal – der „Europäischen Messe für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung“ – statt.

Bitte senden Sie ein Exposé von maximal 1.500 Zeichen Länge bis zum 31. März 2016 an Dr. Ulrike Nürnberger, Geschäftsführerin der Böckler-Mare-Balticum-Stiftung, E-Mail: geschaeftsstelle@boeckler-mare-balticum-stiftung.de und Dr. Andreas Fülberth, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am GWZO, E-Mail: andreas.fuelberth@uni-leipzig.de.

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